Über Geschlechterklischees, Trostlosigkeit und Altersreife

Warum wollen Männer bei Frauen gut ankommen? Wie wichtig ist Aussehen fürs Glück? Und warum will Heinz Strunk nicht mit einer Frau zusammenleben? Ich habe den Schriftsteller in Hamburg getroffen, um über sein neues Buch und über alle Fragen moderner Männlichkeit zu sprechen.

Berliner Zeitung: Herr Strunk, Ihr neuer Roman handelt von einem namenlosen Tontechniker, der mit seinem Leben hadert und sich in eine Affäre mit der jungen Vanessa stürzt. Sie scheinen eine Leidenschaft für unzufriedene Männer zu haben.

Es ist ein bisschen wie bei Michel Houellebecq: Er schreibt auch immer über diese armen Willies, in ihren 40ern und mäßig attraktiv. Wobei ich sagen muss, dass die Trostlosigkeit bei mir ein bisschen gemäßigter ausfällt. Warum auch über Siegertypen schreiben? Das wäre langweilig. Gewinner funktionieren in Romanen nur als Projektionsfläche.

Ist Ihr Protagonist also ein Verlierer?

Nein, ganz objektiv ist er das nicht. Er ist nur mittelmäßig: Wie viele Künstler hat er sich vom Traum der großen Karriere verabschiedet – und fristet jetzt ein halbwegs okayes Dasein. Ich denke, das ist ein Zustand, der im Leben auf ganz viele zutrifft – und nicht explizit auf Männer.

Wie viel Heinz Strunk steckt in ihm?

Eine ganze Menge. Auch Philip Roth hat nur über Philip Roth geschrieben. Ich will mich nicht mit ihm vergleichen, aber: Man sollte nur über das schreiben, von dem man Ahnung hat. Schriftsteller, die behaupten, ihre Figuren seien frei erfunden, halte ich für unglaubwürdig. Für mich hat Literatur eine Tagebuchfunktion: Der Roman ist die Essenz dessen, was ich in den vergangenen Jahren erlebt habe. Da ist etwa die eingeschlafene Wochenendbeziehung mit Julia …

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